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© by Sandra Jordi-Halter 2006-2008

DER SOMMERTAG



Es war an einem wunderschönen, heissen Sommertag, als Alex, mein kleiner Sohn und ich ins Schwimmbad fuhren. Alex liebte das Schwimmbad und obwohl ich meine Figur nicht gerne in der Öffentlichkeit zeigte, wollte ich ihm mit dem Besuch im Schwimmbad eine Freude bereiten. Ich hätte es gelassen, wenn ich geahnt hätte, wem wir an dem Tag dort begegnen würden. Alex lief nichts ahnend direkt zum riesigen Nichtschwimmerbereich und planschte sofort mit einem anderen Jungen herum, während ich mich auf den Rand setzte und die Füße ins Wasser hielt, um mich an die Kälte zu gewöhnen.
Ich schaute über die Liegewiese, als ich einen großen, breitschultrigen Mann bemerkte, der sich gerade von einer schlanken Rothaarigen die Schultern eincremen ließ. Mir blieb der Mund offen stehen, als ich erkannte, dass er mein ehemaliger Mathematiklehrer war, in den ich mich im Abschlussjahr des Gymnasiums unsterblich verliebt hatte. Wie lange war das her? Während ich noch in Gedanken rechnete, starrte ich die beiden in ihrer vertrauten Geste an und bemerkte nicht, dass mein Sohn sich langsam aber sicher von mir entfernte. Meine Gedanken fuhren zurzeit Karussell. Erst ein kleiner spitzer Aufschrei riss mich aus meinen Gedanken. Die Stimme kenne ich doch. „Alex!“ Ich sprang auf und stürzte quer durch das Planschbecken. Fast hätte ich noch eine Mutter mit ihrer Tochter über den Haufen gerannt. Mein Sohn war aus dem Becken gestiegen und schon bis zum Schwimmerbecken gelaufen. Gerade wollte er rein springen, als ich ihn am Arm festhielt.
"Mensch, Kind! Was machst du nur? Du kannst doch nicht schwimmen!" schalt ich meinen Jungen aus.
Plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter. Ich drehte mich mürrisch um und sah in das Gesicht von meinem Mann, was mich doppelt ärgerte, weil ich eigentlich gedanklich noch bei meinem Ex-Schwarm war. Dass man in meinem Alter noch rot werden kann merkte ich erst, als ich mich wieder unserem Sohn zuwandte. Auf meine Frage, wieso Holger denn im Schwimmbad sei und nicht auf der Arbeit, lächelte er nur und fragte mich: „Soll ich wieder gehen?“ und grinste über das ganze Gesicht. Ich verstand die Welt nicht mehr. Alex bestürmte jetzt seinen Vater und meinte: “Wenn du gerade schwimmen wolltest, tue es ruhig, ich kümmere mich um Alex.“ Nahm ihn auf den Arm und marschierte schnurstracks auf meinen Ex-Mathelehrer zu, welcher ihn mit einem freudigen Lächeln begrüßte. Bevor ich wusste, was ich denken sollte, wurde ich von zwei tobenden Jugendlichen aus versehen angerempelt. Sie riefen eine Entschuldigung, als ich bereits auf meinem ehemaligen Mathelehrer lag, meinem Schwarm, meiner ersten grossen heimlichen Liebe. Peinlicher hätte es nicht werden können. Alex hatte sich bereits wieder gelöst um zu seinem Vater zu rennen, der mich mit offenem Mund ansah und anscheinend nicht wusste, was er denken sollte, denn der Mathelehrer lächelte mich an, meinte schliesslich: „Dich kenn ich!“ und zog mich zu sich herunter um mich zu küssen! Ich wusste nicht, wie mir geschah und verpasste dem Mann eine schallende Ohrfeige. „Was fällt ihnen eigentlich ein“, rief ich aus. „Sie sind doch mit ihrer Freundin hier und ich bin verheiratet!“ Ich war empört! Doch er meinte nur. „Meine Begleiterin ist meine Schwester und dich habe ich schon geliebt, als du noch zu mir in den Unterricht kamst. Ich wusste, dass du gleich empfinden würdest und nun ist es endlich so weit!“ „Gar nichts ist soweit!“ brachte ich raus, warf ihm einen giftigen Blick zu und stapfte zu meinem Mann. Ein Gutes hatte die Sache ja. Die Gefühle für meinen Mathelehrer waren nur so lange da, bis er mich geküsst hatte und mein Mann hatte registriert, dass es auch noch andere Männer gab, die sich für mich interessieren. Von dem Zeitpunkt an hatte ich den besten Mann, den man haben konnte und an meinen einstigen Schwarm verschwendete ich nie mehr einen Gedanken!

Autoren: Easy, Marion, Ragnatela, Madame und Halterli