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© by Sandra Jordi-Halter 2006-2008
DIE REISE


Schon lange freute ich mich auf die Reise, die ich mit meinem Mann unternehmen wollte. Nach der Hochzeit hatten wir keine Zeit für Flitterwochen und jetzt zwei Jahre später, wollten wir diese endlich nachholen.
Wir entschieden uns für eine Reise nach Venedig, wo wir hofften so richtig Ruhe zu finden und uns ein wenig erholen zu können.
Als es endlich losgehen sollte kamen allerdings auch schon die ersten Probleme auf uns zu.
Der Motor des Autos wollte einfach nicht anspringen. Unser Nachbar, Automonteur, der gerade seinen Vorgarten goss, kam herüber und schaute nach dem Rechten. Er musste uns leider mitteilen, dass der Motor kaputt war. Er könnte es reparieren bis zum nächsten Vormittag, teilte er uns mit.
Hätten wir nun eine Autotour geplant, wäre das ganze ja nicht weiter schlimm gewesen, auf den ein oder anderen Tag kam es schließlich nicht an und wir hätten nach den 24 Stunden ruhig fahren können.
So aber hatten wir die Tickets für das Flugzeug in der Tasche und mussten in drei Stunden am 100 km entfernten Flughafen sein.
Mein Mann, immer die Gelassenheit in Person, kramte sein Handy hervor, um uns ein Taxi zu rufen, aber je länger er telefonierte, desto länger wurde seine Miene.
"Die Taxifahrer streiken heute", erklärte er säuerlich.
Wir gingen im Geiste alle Möglichkeiten durch, mit denen wir schnell zum Flughafen kommen konnten, aber alle entpuppten sich als zu langsam, zu teuer oder unbrauchbar.
"Ich weiß was ihr machen könnt", sagte unser Nachbar. "Im Dorf ist doch dieser Verleih von Motorrädern!“ Mein Mann und ich grinsten und an. Motorräder waren nun überhaupt nicht unser Ding und so teilten wir dem Nachbarn höflich, aber bestimmt mit, dass auch das keine Lösung wäre. Das einfachste lag auf der Hand, aber würde unser Nachbar einfach so mal schnell 100 km mit uns zum Flughafen fahren? Wir taten das einfachste, was man tun konnte und fragten direkt und unkompliziert, doch leider musste er uns enttäuschen. „Tut mir furchtbar leid, aber in einer halben Stunde muss ich zur Arbeit. Ich kann euch leider nicht fahren.“ Ratlos sahen wir uns an. Da gab es nur noch eins. Wir mussten die Reise auf morgen verschieben. Schnell riefen wir bei der Fluggesellschaft an, aber da hiess es, dass es nicht möglich wäre die Tickets in irgend einer Art umzutauschen um morgen fliegen zu können. Und überhaupt. Das Hotel war ja auch schon gebucht… Wir wussten keinen Rat und dann erinnerten wir uns an unsere Jugendzeit. Was machte man, wenn man kein Geld, keinen Führerschein und niemand Zeit hatte? Klar, wir trampten! Als ich meinem Mann diese Möglichkeit vorschlug, war er am Anfang etwas skeptisch, aber da die Zeit nun immer mehr drängte, willigte er schliesslich ein.
Wir standen also da, mit unseren vollgepackten Koffern und hielten den Daumen hoch. Es war Glück, dass keine fünf Minuten später ein Herr mittleren Alters anhielt und bereit war uns zum Flughafen zu fahren. Gerade noch rechtzeitig kamen wir an, checkten in aller Eile ein, rannten durch die Schranken und erwischten schliesslich sogar noch unser Flugzeug. In Venedig angekommen, ging es mit den Pannen weiter. Da wir so spät erst eingecheckt hatten, kam unser Gepäck nicht an. Der Taxitransfer mit anschliessender Gondelfahrt zum Hotel fiel flach, da auch in Venedig ein Streik der Taxifahrer im Gange war. Mein Mann und ich liessen uns nicht aus der Ruhe bringen, aber die Ferienstimmung war erst einmal vorbei. Wir stritten uns nur noch, hatten keine Geduld mehr und konnten nicht einen Tag unserer Ferien geniessen. Wir stellten fest wie verschieden wir waren, und dass unsere Beziehung so wohl keine Zukunft haben würde. Als wir wieder zu Hause waren reichte mein Mann die Scheidung ein… Tja, es war in der Tat eine unvergessliche Reise!

Autoren: Anne, Easy und Halterli