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© by Sandra Jordi-Halter 2006-2008

DIE TRENNUNG



Seit vier Jahren waren mein Freund und ich nun schon zusammen, aber es kriselte schon länger zwischen uns. Eines Abends als er zu mir kam, wusste ich, dass der Tag gekommen war. Der Tag, den ich fürchtete und den ich dennoch herbeisehnte. Etwas hatte sich verändert an diesem Tag, das sah ich ihm schon an, als er die Wohnung betrat. Es brauchte nicht viele Worte, längst war alles gesagt.
Er war leider nicht allein. Eine junge, mir unbekannte Frau betrat nach ihm die Wohnung. "Oh nein", war mein erster Gedanke. Doch ich ahnte ja schon seit längerem, dass es bei uns nicht mehr stimmte. Aber musste er den Grund gleich mitbringen? "Hallo Sandra", sagte er. "Dürfen wir hereinkommen?" Kein Kuss, noch nicht mal auf die Wange. Wortlos ließ ich die Beiden herein. Was dachte er sich bloß? Die Stimmung war bedrückt, immer noch ohne einen Ton zu sagen ging ich den beiden ins Wohnzimmer voran.
"Wir wollen uns nicht setzen. Wir wollen mit dir reden." Wir, wir, wir. Sonst war ich in diesem "wir" mit einbezogen. Was hatte sich denn nur so verändert? Und dann sagte er: "Dies ist Tina. Ich kenne sie schon sehr lange, ihre Eltern haben früher in dem Haus neben meinen Eltern gewohnt. Wir sind zusammen aufgewachsen. Vor einigen Jahren sind sie dann weggezogen." Schweigen. Und? denke ich. Aber leicht machen will ich es ihnen nicht, soll er ruhig zappeln..." Vor einigen Wochen haben wir uns zufällig getroffen und es hat sofort gefunkt." Er ging einen Schritt auf mich zu, doch ich trat sofort zurück und er blieb stehen. Ich flüsterte: "Es ist aus, oder?" Er nickte. "Dann geht jetzt bitte", flüsterte ich und drehte mich weg von diesen beiden Gesichtern. Obwohl ich lange darauf vorbereitet gewesen war, spürte ich die Tränen heiß in mir aufsteigen. Doch ich wollte nicht weinen, ihm nicht zeigen, wie sehr es weh tat, ihn gehen zu lassen. Als er seine Sachen packte, schluckte ich tapfer die Tränen hinunter und sah schweigend zu, wie er ein Shirt in seiner Tasche verstaute.

Schon bald hatte er alles beisammen und öffnete die Wohnungstür. Einen Moment wollte ich ihn zurückhalten, ihn anflehen, bei mir zu bleiben. Doch ich ließ ihn gehen.
Zum Abschied sah er mir noch einmal tief in die Augen, hauchte mir einen Kuss auf die Wange und flüsterte: "Danke für alles Schöne mit Dir." Dann waren sie schon aus der Tür getreten und zog sie hinter sich zu.
Die Tür fiel ins Schloß und ich war allein. Ich weinte!

Die Zeit verging. Ich stürzte mich in meine Arbeit und kam langsam darüber hinweg, dass er ein Schwein war, der zum Schlussmachen auch noch seine neue Flamme mitbrachte. Dass ich meine Zeit mit ihm vergeudet zu haben schien. Aber etwas besseres als ihn hatte ich verdient, dessen war ich mir sicher. Was war er doch für ein taktloser Idiot!

Etwa ein Jahr nach unserer Trennung, ich war inzwischen frisch verliebt in Rene, klingelte es eines Abends an meiner Tür. Ich war überrascht und fragte mich, wer mich denn wohl am Abend um diese Zeit noch besuchen würde. Es war mein Ex-Freund, diesmal sogar alleine. Ich bat ihn herein. Er setzte sich hin und da ich gerade am Kochen war, stellte ich ihm einen leeren Teller hin. Er schaute mich gedankenverloren an. Dann stand er wieder auf, holte zwei Gläser und eine zauberte eine gute Flasche Wein hervor. Er zündete eine
Kerze an und sagte, lass' uns reden. Wieder stand er auf und holte einen zweiten
Teller. Er stellte ihn gegenüber dem ersten auf den Tisch. Als ich ein Messer holte, um die Folie des Flaschenverschlusses aufzuschneiden, dachte ich einen
kurzen Moment daran, wie er wohl reagieren würde, wenn ich ihm den Wein über den Kopf schütten würde. Die Versuchung war gross, aber ich liess es bleiben. Ich war gespannt, was er mir zu sagen hatte. Ich setzte mich nicht hin, schaute ihn von oben herab an und schenkte Wein ein. Er bat mich, mich auch hinzusetzen und für einen kurzen Moment musste ich überlegen, wessen Wohnung denn das nun war…. Er fühlte sich sichtbar heimisch.
Nach einem ersten Schluck Wein begann er zu reden. „Ich war damals ein Idiot. Ich hätte dich nie verlassen dürfen. Das mit Tina und mir hat nicht geklappt, weil ich merkte, dass ich dich noch liebe!“ „Um das zu merken hast du aber ganz schön lange gebraucht,“ antwortete ich ihm. „Wir versuchen es noch mal, ja?“ und mit diesen Worten nahm er mich in den Arm mit dem Versuch mich zu küssen. Ich stiess ihn weg. Erschrocken sah er mich an. In genau diesem Augenblick betrat Rene das Zimmer. „Was ist denn hier los? Hallo Schatz, was will der Typ von dir?“ Rene kam zu mir, gab mir einen langen, intensiven Kuss und sah meinen Ex-Freund herausfordernd an…. Ich musste mir ein Lachen verkneifen. „Zu spät..,“ brachte ich heraus und deutete ihm mit dem Kopf meine Wohnung zu verlassen. Rene und ich sind nun glücklich verheiratet und haben zwei entzückende Kinder. Mein Ex-Freund hingegen hat die wahre Liebe noch nicht gefunden…..

Autoren: Rune, Karin, EmmaEmma und Halterli