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© by Sandra Jordi-Halter 2006-2008

DER UNFALL



Als ich erwachte, schien bereits die Sonne durch die Ritzen der Storen. Es schien ein warmer, sonniger Tag zu sein von dem man annahm, dass er allen Menschen gefiel. Doch es soll auch Ausnahmen geben. Ich hasste solche Tage! Mir war Regen und kaltes Wetter lieber, denn es passte besser zu meiner Person, zu meinen Stimmungen, als diese listige Sonne, welche da vom Himmel knallte.
Widerwillig stand ich auf. Mein Freund hatte mich vor ein paar Tagen verlassen und momentan sah ich eh keinen Sinn mehr am Morgen aufzustehen, zur Arbeit zu gehen, etwas zu tun.. Ich war nur noch am funktionieren, nicht am Leben.
In Gedanken versunken zog ich mich an, als es plötzlich an der Tür klingelte. Ich seufzte leise, wer konnte das sein um diese Zeit ? Eigentlich war es mir auch ziemlich egal wer es war, es nervte mich schon allein, DASS jemand da war und klingelte. Ich hätte schließlich auch noch schlafen können! Barfuss, aber sonst komplett angezogen, ging ich langsam die Treppe hinunter und öffnete die Tür. Vor mir stand mein Ex-Freund. Der hatte mir gerade noch gefehlt! Schmerz und Wut übertönte das Gefühl der Sinnlosigkeit und ich knallte ihm sogleich die Tür vor der Nase wieder zu. Der Versuch, ihn zu ignorieren, wurde aber durch sein rufen gestört. Er mache sich Sorgen um mich. Kommt aber gewaltig früh, dachte ich und drehte demonstrativ das Radio an. Immer noch barfuss folgte ich meinem Magen in die Küche. Ein ruhiges Frühstück schien mir jedoch nicht gegönnt zu sein, denn das Handy schrillte in lauten Tönen und ich verfluchte, dass ich gestern Abend vergessen hatte, es auszuschalten. Natürlich blinkte der Name meines Ex-Freundes auf dem Display. Da das Klingeln und Rufen an der Tür nichts gebracht hatte, probierte er es halt per Anruf. Wie originell. So originell wie damals als wir uns kennen gelernt hatten und er nicht lockerliess, bis ich mich auch in ihn verliebte. Hätte ich damals schon gewusst, was ich heute weiss, hätte ich es mir nochmals anders überlegt. Aber nun kam es halt so wie es kommen musste, wir haben uns getrennt - wir haben doch nicht zueinander gepasst.... Es war aber eine gute Zeit. Ich bin reifer geworden, ich habe meine Ansprüche höher geschraubt. Ich geniesse nun mal alleine meine Zeit und lasse mich treiben, mein Ziel wird sich finden. Nun, eigentlich ist mein Ziel zu vergessen was an jenem sonnigen Tag vor einem Jahr geschah, als mein Freund, inzwischen eben Ex-Freund, und ich zusammen unterwegs waren. Wir machten eine Tour mit seinem "Angeber Cabriolet" als das Schicksal uns übel mitspielte. Ob ich mein Ziel jemals einhalten kann und diesen Tag vergessen werde? Zu tief sind die seelischen und körperlichen Wunden, die mir mein Ex mit diesem Schicksalshaften Tag hinterliess.
Wir fuhren mit unserem Angeber Cabrio, wie wir es liebevoll nannten, auf einer Passtrasse Richtung Italien. Franco, mein Ex, fuhr, wie immer viel zu schnell, als er in einer scharfen Rechtskurve die Herrschaft über den Wagen verlor und sich unser Wagen überschlagend einen Weg durch die steile Böschung Richtung Tal bahnte.
Als ich 10 Tage später wieder aus dem Koma erwachte, konnte ich mich zuerst an nichts erinnern. Dann kehrten aber nach und nach Einzelheiten des Unfalls in meinen Träumen zurück. Da waren vor allem Schreie, Blut und das Gefühl, den Boden unter den Füssen zu verlieren.
Franco war bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden. Das Pflegefachpersonal hatte mir erzählt, dass er in den 10 Tagen, wo ich im Koma lag, täglich zu Besuch kam um mit mir zu sprechen und sich über meinen Zustand zu erkundigen.
Dennoch fühlte ich in meinem Herzen und meinem Körper nur noch Schmerzen. Die Sympathie und Liebe für meinen Freund sind weg - einfach weg, nicht mehr anwesend. Ich hatte auch ständig die Auseinandersetzung mit ihm - wegen seines Alkoholkonsums - immer fuhr die Angst im Auto mit. Auch bei dem Unfall war er angetrunken. Er ist mit einem blauen Auge davon gekommen. Ich hatte innere Verletzungen und Rippenbrüche und musste mich wundern und "bedanken" dass ich noch lebte!
Wie lange würde ich noch im Spital bleiben? Wann konnte ich meinem Freund meine wahren Gefühle sagen? Er stand im Krankenzimmer mit einem Strauß roter Rosen und sagte: "Es tut mir so leid, ich wollte dir nicht weh tun, ich wollte dich nicht verletzen und ich wollte dich nicht im Stich lassen.“ Mit seinen treuen braunen Hundeaugen schaute er mich an. Ich konnte seinem Blick nicht standhalten. Zu tief war ich verletzt und enttäuscht von ihm. Seit diesem Unfall mochte ich auch die schönen Tage nicht mehr und an diesem Tag schien die Sonne ins Krankenzimmer als wollte sie alles wieder gutmachen. Ich schickte ihn weg..
Was er wohl damit meinte, er wollte mich nicht im Stich lassen? Die Krankenschwester sagte doch er sei jeden Tag bei mir gewesen? In den letzten drei Tagen, die ich danach noch im Krankenhaus war, besuchte er mich nicht mehr. Ich nahm an, dass mein barsches Verhalten beim letzten Besuch dafür verantwortlich war und dass er mich, wie ich es gewünscht hatte, in Ruhe lassen wollte. Ich wurde entlassen. Mein Vater holte mich ab, da ich es so gewünscht hatte. Franco wusste nichts von meiner Entlassung und da ich in den Tagen, in denen er nicht bei mir war viel nachgedacht hatte, wollte ich ihm noch eine Chance geben. „Fahr mich doch bitte zu Franco,“ bat ich meinen Vater. Obwohl er meinen Entschluss es weiterhin mit Franco zu versuchen nicht verstehen konnte, fuhr er mich hin. Ich wollte Franco überraschen. Sein neues Auto, von dem er mir erzählt hatte, stand draussen. Demnach schien er zu Hause zu sein. Mein Herz tat einen kleinen Sprung, was mir einmal mehr bewies, dass meine Entscheidung richtig zu sein schien.
Niemals werde ich vergessen, was dann passierte, wie Franco reagierte….
Franco wohnte im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses. Da ich meinen noch nicht vollständig verheilten Rippen und all den anderen noch verbleibenden kleinen Verletzungen nicht zutrauen wollte, die Treppen zu benutzen, nahm ich den Lift. Ich stieg ein, drückte auf die drei und freute mich schon auf Francos Reaktion, wenn er mich wieder sehen würde. Wie er sich freuen würde, wenn ich uns noch eine Chance gab… Der Lift setzte sich in Bewegung. Erster Stock…ding..der Lift hielt an, die Tür ging auf. Ein älterer Herr stieg ein. „Ich habe doch glatt vorhin das falsche Stockwerk gewählt…,“ erklärte er mir und drückte auf die zwei. Zweiter Stock…ding..der Lift hielt wieder an, der Mann stieg aus. Freundlich verabschiedete der Herr sich von mir. Die Türen schlossen sich wieder, der Lift setzte sich erneut in Bewegung. Ich wurde nervöser und nervöser..und wieder ein lautes DING…ich war im dritten Stock angekommen.
Da ich die Schlüssel von Francos Wohnung hatte, klingelte ich nicht, sondern schloss einfach auf. Langsam drehte ich den Schlüssel. Ich wollte ja nicht, dass Franco etwas merkte. Bald konnte ich die Tür öffnen, was ich auch ganz leise tat. Ich trat ein und vernahm leise Geräusche. Ich konnte diese zuerst nicht recht lokalisieren, merkte dann aber bald, dass sie aus dem Wohnzimmer kamen. Die Geräusche verwirrten mich. War ich in der falschen Wohnung? Nein, sonst hätte doch der Schlüssel nicht gepasst, beantwortete ich mir meine Frage. Ich ging zur Wohnzimmertür, öffnete sie leise und was ich dann sah, liess mich wie zu Eis erstarrt im Türrahmen stehen. Da sass Franco nackt auf dem Sofa, eine nackte Frau sass auf ihm…. „Du Arschloch..“ kam es aus meinem Mund, dann drehte ich mich um und lief, so schnell es mit meinen Verletzungen eben ging, davon. Ich hörte nichts mehr, sah nichts mehr, ich lief und wollte nur noch weg. Auch an diesem Tag schien die Sonne….
Und nun, Tage später, stand er vor meiner Tür und liess mich nicht in Ruhe. Ich ignorierte ihn weiterhin und hörte eine halbe Stunde später, wie er wegfuhr.
Nun wusste ich, was sein Satz: „Ich wollte dich nicht im Stich lassen“ zu bedeuten hatte!


Autoren: Pia, Dominique, Rejeka, Monika, Kiyogini, Halterli
(an dieser Stelle herzlichen Dank, allen die mitgeschrieben haben!!)